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Macht KI Webdesigner überflüssig? Warum Erfahrung wichtiger wird als je zuvor.
Websites auf Knopfdruck, professionelle Designs und Layouts in wenigen Minuten mit vollständigem Programmcode durch künstliche Intelligenz. Wer den Versprechungen mancher KI-Anbieter und selbsternannter Experten in den sozialen Medien glaubt, könnte meinen, dass Webdesigner und Webagenturen bald der Vergangenheit angehören. Aber ist das tatsächlich so?
Ich beschäftige mich seit 2004 mit Webdesign, Programmierung und Online-Marketing. In diesen mehr als 20 Jahren habe ich sehr viele technische Entwicklungen erlebt. Manche davon haben unsere Arbeit grundlegend verändert, andere sind ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht sind.
Mit künstlicher Intelligenz erleben wir gerade eine Entwicklung, die zweifellos zu den bedeutenderen Veränderungen gehört. Auch meine tägliche Arbeit hat sich dadurch bereits erheblich verändert.
Dennoch halte ich die Behauptung, KI mache professionelle Webdesigner überflüssig, für deutlich zu kurz gedacht.
Warum? Weil zwischen einer Website, die irgendwie funktioniert, und einer professionellen Website, die ihre Ziele erreicht, noch immer ein erheblicher Unterschied besteht.
Eine Website erstellen kann inzwischen fast jeder. Oder doch nicht?
Die Möglichkeiten moderner KI-Werkzeuge sind beeindruckend. Mit wenigen Anweisungen lassen sich Layouts entwerfen, HTML- und CSS-Code erzeugen, JavaScript-Funktionen entwickeln und sogar komplexere Webanwendungen programmieren.
Was vor einigen Jahren noch umfangreiche Programmierkenntnisse erforderte, ist heute zumindest teilweise durch einfache Texteingaben möglich.
Das ist eine Entwicklung, die ich ausdrücklich begrüße.
Allerdings entsteht dadurch auch ein Missverständnis: Nur weil die Erstellung von Websites einfacher geworden ist, bedeutet das nicht, dass für eine professionelle Umsetzung keine Fachkenntnisse mehr erforderlich sind.
Eine KI kann Code generieren. Ob dieser Code technisch sauber, sicher, performant und langfristig wartbar ist, steht auf einem anderen Blatt.
Und genau hier beginnt der Unterschied.
„Eine KI kann eine Website erstellen. Ob daraus eine gute Website wird, entscheidet sich an ganz anderer Stelle.“
Oliver Wenningmann
Wenn eine Website funktioniert, ist sie noch lange nicht gut.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmer lässt sich mithilfe einer KI eine Website mit Kontaktformular erstellen.
Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick überzeugend aus. Die Seite ist modern gestaltet, die Eingabefelder funktionieren und nach dem Absenden erscheint eine freundliche Bestätigung.
Alles bestens?
Nicht unbedingt.
Vielleicht werden die Formulardaten überhaupt nicht versendet. Eventuell fehlen ausreichende Schutzmaßnahmen gegen Spam oder Missbrauch. Möglicherweise werden Eingaben nicht korrekt geprüft oder personenbezogene Daten auf eine Weise verarbeitet, die zusätzliche datenschutzrechtliche Anforderungen auslöst.
Ähnliches gilt für zahlreiche andere Bereiche einer Website.
Ist die mobile Darstellung wirklich auf unterschiedlichen Endgeräten getestet worden? Sind die Ladezeiten optimiert? Werden Bilder in geeigneten Formaten ausgeliefert? Ist die HTML-Struktur semantisch sinnvoll? Können Suchmaschinen die Inhalte korrekt erfassen? Ist die Website barrierearm nutzbar?
Viele dieser Probleme sind auf den ersten Blick nicht erkennbar.
Eine Website kann hervorragend aussehen und trotzdem erhebliche technische, inhaltliche oder konzeptionelle Mängel besitzen.
Wer die zugrunde liegenden Technologien nicht versteht, wird solche Schwächen allerdings häufig gar nicht bemerken.
Das eigentliche Problem: Wer kontrolliert die Ergebnisse?
Für mich liegt hier eine der größten Herausforderungen beim Einsatz künstlicher Intelligenz.
KI-Systeme liefern häufig erstaunlich überzeugende Antworten. Sie formulieren selbstbewusst, produzieren umfangreichen Programmcode und schlagen Lösungen für unterschiedlichste Aufgaben vor.
Allerdings sind diese Ergebnisse nicht zwangsläufig richtig.
Manchmal funktioniert der erzeugte Code sofort. Manchmal enthält er kleinere Fehler. Und manchmal entstehen Lösungen, die zwar zunächst ihren Zweck erfüllen, bei genauerer Betrachtung aber unnötig kompliziert und verschachtelt, fehleranfällig oder technisch problematisch sind.
Wer selbst programmieren kann, erkennt solche Schwächen häufig und kann entsprechend eingreifen.
Wer sich dagegen ausschließlich auf die KI verlässt, muss ihr im Zweifelsfall einfach vertrauen.
„Wer die Qualität eines Ergebnisses nicht beurteilen kann, muss der KI im Zweifelsfall einfach vertrauen.“
Oliver Wenningmann
Ich halte das für problematisch, insbesondere wenn eine Website geschäftlich genutzt wird.
Denn eine Unternehmenswebsite repräsentiert ein Unternehmen, verarbeitet möglicherweise Kundendaten und soll im Idealfall über Jahre zuverlässig funktionieren.
Webdesign beginnt nicht mit HTML und CSS.
Bei der Diskussion um KI und Webdesign wird häufig ein entscheidender Punkt übersehen: Die eigentliche Arbeit beginnt lange bevor die erste Zeile Programmcode geschrieben wird.
Bevor ich eine neue Website für einen Kunden entwickle, stehen zunächst andere Fragen im Mittelpunkt.
Was möchte das Unternehmen mit seinem Webauftritt erreichen? Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden? Wie ist die Wettbewerbssituation? Über welche Suchbegriffe suchen potenzielle Kunden nach den angebotenen Leistungen? Welche Inhalte sind notwendig? Und wie führen wir Besucher möglichst einfach zu einer Kontaktaufnahme oder Anfrage?
Erst aus diesen Überlegungen entstehen eine sinnvolle Seitenstruktur, ein Gestaltungskonzept und schließlich die technische Umsetzung.
Gerade bei Unternehmenswebsites spielen Suchmaschinenoptimierung, Benutzerführung und eine klare inhaltliche Ausrichtung eine zentrale Rolle.
Was nützt schließlich die schönste Website, wenn sie niemand findet? Oder wenn die Besucher zwar auf der Website landen, aber nicht erkennen, warum sie sich gerade für dieses Unternehmen entscheiden sollten?
Eine professionelle Website sollte ein konkretes Ziel erfüllen.
Und dafür braucht es mehr als einen gelungenen Prompt.
Ich arbeite selbst mit KI. Und zwar regelmäßig.
Vielleicht überrascht es den einen oder anderen: Ich nutze künstliche Intelligenz inzwischen bei meiner täglichen Arbeit, denn sie kann - richtig eingesetzt - einen regelrechten Turbo zünden.
Bei der Entwicklung von Websites unterstützt mich KI unter anderem bei der Programmierung, bei der Fehlersuche, der Optimierung bestehender Funktionen und der strukturierten Ausarbeitung neuer Ideen.
Auch bei der Suchmaschinenoptimierung, der Analyse von Website-Strukturen und der Vorbereitung von Inhalten lassen sich solche Werkzeuge sinnvoll einsetzen.
Viele Aufgaben können dadurch erheblich schneller erledigt werden als noch vor wenigen Jahren. Diese Zeitersparnis kann ich an meine Kunden in Form von Kosteneinsparungen weitergeben.
Warum sollte ich auf diese Möglichkeiten verzichten?
Entscheidend ist allerdings, dass ich die Ergebnisse nachvollziehen, beurteilen und bei Bedarf jederzeit korrigieren kann.
Wenn eine KI beispielsweise PHP-Code für ein Kontaktformular erstellt, weiß ich, welche Funktionen erforderlich sind, wo Sicherheitsrisiken entstehen können und welche Prüfungen vor dem produktiven Einsatz notwendig sind.
Wenn sie mir eine SEO-optimierte Seitenstruktur vorschlägt, kann ich beurteilen, ob diese zur Suchintention, zum Unternehmen und zur bestehenden Website passt.
Und wenn ein generiertes Layout gestalterisch nicht überzeugt, kann ich gezielt eingreifen und das Design individuell gestalten.
Die KI übernimmt einen Teil meiner Arbeit. Die Verantwortung für das Ergebnis liegt jedoch bei mir.
Macht KI professionelle Websites günstiger?
Eine interessante Frage, die sich zwangsläufig aus den neuen Möglichkeiten ergibt.
Wenn künstliche Intelligenz bestimmte Arbeitsschritte beschleunigt, müsste die Erstellung professioneller Websites dann nicht automatisch deutlich günstiger werden?
Grundsätzlich ja.
Routineaufgaben können effizienter umgesetzt werden. Technische Lösungsansätze lassen sich schneller entwickeln und manche bisher zeitaufwendigen Arbeitsschritte erheblich verkürzen.
Davon können selbstverständlich auch meine Kunden profitieren.
Allerdings besteht der Aufwand für eine professionelle Website nicht ausschließlich aus Programmierung.
Beratung, Konzeption, Wettbewerbsanalyse, Inhaltsentwicklung, Gestaltung, Suchmaschinenoptimierung, Tests und Qualitätssicherung bleiben wichtige Bestandteile eines erfolgreichen Projekts.
Und diese Leistungen lassen sich nicht einfach auf die Anzahl generierter Codezeilen reduzieren.
Hinzu kommt: Nicht jeder Zeitgewinn muss zwangsläufig zu einem niedrigeren Projektpreis führen. Er kann auch dafür genutzt werden, ein besseres Ergebnis zu erzielen, zusätzliche Funktionen umzusetzen oder die Qualität weiter zu steigern.
Entscheidend sollte letztlich nicht sein, wie viele Stunden für eine Website benötigt wurden, sondern welchen Nutzen und welchen Return on Invest sie dem Unternehmen bringt.
Werden einfache Websites künftig vollständig von KI erstellt?
Ich halte das durchaus für realistisch.
Schon heute lassen sich einfache Webauftritte, persönliche Portfolios oder kleinere Informationsseiten mit KI-Unterstützung und entsprechenden Baukastensystemen vergleichsweise schnell erstellen.
Für bestimmte Anforderungen kann das vollkommen ausreichend sein.
Nicht jedes Projekt benötigt eine individuell entwickelte Website. Nicht jeder Selbstständige braucht eine umfangreiche Online-Marketing-Strategie.
Das war übrigens schon vor dem aktuellen KI-Boom so. Auch mit klassischen Website-Baukästen und Content-Management-Systemen konnten Unternehmen ihre Websites eigenständig erstellen.
KI senkt nun die technischen Einstiegshürden weiter.
Professionelle Webagenturen werden sich deshalb stärker über ihre Beratung, ihre Erfahrung und die Qualität ihrer Ergebnisse positionieren müssen.
Darin sehe ich keine Bedrohung, sondern eine nachvollziehbare Weiterentwicklung unserer Branche.
Die Rolle des Webdesigners verändert sich.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt.
In Zukunft wird es immer weniger darum gehen, jede einzelne Zeile HTML, CSS oder JavaScript selbst schreiben zu müssen.
Viel wichtiger wird die Fähigkeit, technische Möglichkeiten sinnvoll einzusetzen, Anforderungen richtig zu interpretieren und aus unterschiedlichen Bausteinen eine funktionierende Gesamtlösung zu entwickeln.
Der Webdesigner wird damit zunehmend auch zum Berater, Konzeptioner, Qualitätsprüfer und technischen Ansprechpartner.
Für mich ist das keine völlig neue Entwicklung.
Schon in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich unser Beruf immer wieder verändert. Neue Frameworks, Content-Management-Systeme, responsive Webdesign und veränderte Anforderungen an Suchmaschinen haben unsere Arbeitsweise nachhaltig beeinflusst.
Künstliche Intelligenz ist ein weiterer, besonders großer Schritt in dieser Entwicklung.
Wer bereit ist, neue Werkzeuge zu erlernen und sinnvoll einzusetzen, kann davon erheblich profitieren.
Wer dagegen ausschließlich an bisherigen Arbeitsweisen festhält, dürfte es zunehmend schwerer haben.
Mein Fazit: KI ersetzt keine Erfahrung. Sie macht sie nützlicher und wertvoller.
Ich glaube nicht, dass künstliche Intelligenz das Ende professioneller Webagenturen bedeutet.
Sie wird die Art und Weise verändern, wie wir Websites konzipieren, gestalten, programmieren und betreuen. Und sie wird bestimmte Aufgaben übernehmen, für die bislang umfangreiche Fachkenntnisse erforderlich waren.
Das ist weder grundsätzlich gut noch schlecht. Es ist zunächst einmal technischer Fortschritt.
Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, die Beherrschung eines Werkzeugs mit dem Verständnis für die gesamte Aufgabe gleichzusetzen.
Eine KI kann innerhalb weniger Minuten eine Website erstellen. Ob diese Website ein Unternehmen überzeugend präsentiert, technisch zuverlässig funktioniert, in Suchmaschinen sichtbar wird und tatsächlich neue Kunden gewinnt, ist eine ganz andere Frage.
Nach über 20 Jahren im Webdesign bin ich deshalb überzeugt: Nicht die Fähigkeit, möglichst viel Code selbst zu schreiben, wird künftig den Unterschied machen. Sondern die Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Qualität des Ergebnisses sicherzustellen.
Oder anders ausgedrückt:
KI macht Webdesign einfacher. Gutes Webdesign bleibt anspruchsvoll.
Und genau deshalb sehe ich der weiteren Entwicklung mit großer Neugier, aber auch ein wenig gelassen entgegen.
„KI macht Webdesign einfacher. Gutes Webdesign bleibt anspruchsvoll.“
Oliver Wenningmann
Oliver Wenningmann
Webdesigner, Programmierer und Online-Marketing-Spezialist
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